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05.04.2018

Die Spürnasen aus dem Chemiepark GENDORF

Die menschliche Nase kann eine Billion Gerüche unterscheiden - leider kann dieses hochentwickelte Sinnesorgan sie nicht im Detail bestimmen. Herauszufinden, was genau in der Luft liegt und auch was hinter unbekannten Pulvern und Flüssigkeiten steckt, ist im Chemiepark GENDORF Aufgabe des im Notfallmanagement integrierten Messteams.

Bild von Herbert Deser, Mitarbeiter des Notfallmanagements der InfraServ Gendorf

Herbert Deser, Mitarbeiter des Notfallmanagements der InfraServ Gendorf, ist seit über 25 Jahren Mitglied des Umweltmessteams. Der Messwagen selbst ist ein rollendes Labor.

Ob Gas, Flüssigkeiten oder Pulver: Wenn bei betrieblichen Störungen oder Bränden im Chemiepark Stoffe austreten oder es zu Geruchsbelästigungen kommt, rückt die Messeinheit der ISG-Werkfeuerwehr – im Feuerwehr-Jargon „Messtrupp“ genannt – aus. Meistens vorsorglich: Denn solange ein Stoff nicht näher bestimmt ist, kann potenziell eine Gefahr von ihm ausgehen. Das ist selten der Fall, aber Sicherheit hat oberste Priorität. Noch bevor auch nur ein Messwert vorliegt, schließen die Experten vom Messteam eine Gefährdung grundsätzlich nicht aus. „In jedem Fall ist eine schnelle Klärung wichtig, damit beispielsweise bei einem Ereignis der Einsatzstab richtig reagieren kann", erklärt Herbert Deser, Mitarbeiter des Notfallmanagements der InfraServ Gendorf und seit über 25 Jahren Mitglied des Messteams.

24 Stunden an 365 Tagen
Die Einsatzzahlen des Gendorfer Messtrupps schwanken zwischen 20 und 60 Einsätzen pro Jahr. Viele Einsätze davon finden vorsorglich statt. „Immer wieder verdächtigen Anwohner zum Beispiel bei Gerüchen sofort den Chemiepark. Dann rücken wir natürlich aus. Nicht selten können wir aber dann ganz andere harmlose Ursachen lokalisieren“, erzählt Deser. Ein Problem sei das nicht: „Dafür sind wir ja auch da und lieber einmal zu oft ausgerückt“, so Deser. Dem Zufall wolle man auf jeden Fall nichts überlassen.

Hinzugerufen wird das Messteam aber auch bei anderen Ereignissen: Bei einem Brand in einer Schreinerei musste beispielsweise kontrolliert werden, ob Löschwasser mit Beize kontaminiert wurde. Eher nicht alltäglich war auch der Einsatz in einem Geschäft in Waldkraiburg: Nachdem ein Kunde aus unbekannten Gründen Pfefferspray versprüht hatte und mehrere Menschen infolgedessen in der Klinik behandelt werden mussten, überprüfte das Messteam die betroffenen Geschäftsbereiche, um eine weitere Gefährdung auszuschließen.

Hightech auf vier Rädern
Deser und seine Kollegen können für ihre Messaufgaben auf modernste Technik zurückgreifen: Die Werksicherheit verfügt über einen Gerätewagen mit komplexer Messtechnik, um sowohl im Chemiepark GENDORF als auch außerhalb in der Nachbarschaft oder in der Region Messungen im Rahmen des Notfallmanagements durchführen zu können. Der Messwagen, der äußerlich wie ein normaler Feuerwehrwagen aussieht, ist ein fahrendes Labor. Aus dem Dach ragt eine Sonde, im Inneren gibt es kontinuierlich anzeigende Messgeräte, festinstallierte Sammelmedien für Proben, in den Schubladen sortierte Tests zum Nachweis diverser Stoffe, Funkgeräte, Equipment zur Wasserbeprobung und erweiterte persönliche Schutzausrüstungen wie Atemschutzgeräte. Auf einem pneumatischen Teleskopmast ist eine Meteorologiestation angebracht, mit der Windgeschwindigkeit, -richtung, Temperatur, Luftfeuchte und der Luftdruck am Einsatzort gemessen werden können. „Mit diesen Daten kann zum Beispiel die Ausbreitung einer Schadstoffwolke berechnet werden“, erklärt Herbert Deser.

Die Vermessung der Umwelt
Unbekannte Flüssigkeiten oder Feststoffe wie etwa Pulver werden mit einem RAMAN- oder einem FTIR-Spektrometer analysiert. Diese robusten, akkubetriebenen Handgeräte können mit Hilfe einer umfangreichen, 12.000 Stoffe umfassenden, Spektrendatenbank in wenigen Minuten Stoffe - oder Stoffgemische bestimmen. Auch zur Analyse von Gaskonzentrationen werden tragbare Messgeräte eingesetzt, wie etwa die Flammen- (FID) und Photoionisationsdetektoren (PID) und die FTIR- und Ionenmobilitätsspektrometer (IMS). „Mit der Kombination dieser Geräte können Konzentrationen von bis zu 50 Schadstoffen gleichzeitig gemessen werden“, so Herbert Deser. Weitere Datenbanken unterstützen die Arbeit des Messtrupps. Neben den mobilen Geräten, die das Ergebnis direkt anzeigen, können auch Proben für weiterführende Laboranalysen gezogen werden. Luftproben werden zum Beispiel mit einem Gasprobenehmer genommen, der Umgebungsluft über eine Sonde ansaugt und Schadstoffe in unterschiedliche flüssige oder feste Medien anreichert, so dass sie im Anschluss im Labor analysiert werden können.

Ein strategisches Messkonzept
Die Technik ist das eine, Fachexpertise das andere: Denn um zeitnah aussagekräftige Daten zu erhalten, ist es wichtig zu wissen, wo und wie gemessen werden muss. Rückt der Messwagen aus, werden je nach Ereignis vordefinierte Messpunkte abhängig von der Windrichtung angefahren: „Die Umgebung des Chemieparks ist in ein Immissionsmessnetz mit je vier Messpunkten pro Quadratkilometer unterteilt“, erklärt Herbert Deser. Sollten mehrere Messungen gleichzeitig notwendig sein, greift das Messkonzept des Landkreises Altötting, in dem Messfahrzeuge weiterer Feuerwehren integriert sind. Damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt, werden neben regelmäßigen Übungen Geräte und Kommunikationswege „routinemäßig“ einmal pro Woche auf ihre Funktionalität hin überprüft. Die Übungen ermöglichen es dem Team zudem, die Prozesse hinter den Kulissen permanent zu optimieren. Das Messteam ist damit ein wichtiger Bestandteil des Notfallmanagements und  als „Spürnase“ 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr einsatzbereit.

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Tilo Rosenberger-Süß

Tilo Rosenberger-Süß
Leiter Kommunikation

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